Mini-Drohne unter 250 Gramm: Diese Vorteile bringt es wirklich

Mini-Drohne von DJI im Flug
Welche Vorteile bringt eine Mini-Drohne?

Mini-Drohnen haben in den letzten Jahren einen wahren Aufstieg gefeiert. Mittlerweile gelten Drohnen mit einem Gewicht unter 250 Gramm als die beliebtesten Fluggeräte. Das hat durchaus seine Berechtigung. Doch es gibt auch einige Missverständnisse, mit denen wir in diesem Beitrag aufräumen wollen.

Es gibt keine einheitliche Definition, was unter dem Begriff “Mini-Drohne” zu verstehen ist. Im Zusammenhang mit diesem Beitrag verstehen wir unter einer Mini-Drohne ein unbemanntes Fluggerät, das weniger als 250 Gramm wiegt.

In der Systematik der EU-Drohnenverordnung gibt es damit zwei Möglichkeiten:

  1. Die Drohne ist mit einer C0-Klasse ausgestattet. In diesem Fall ist die höchstzulässige Startmasse (MTOM) ausschlaggebend, die der Hersteller in den technischen Daten angibt. Das tatsächliche Startgewicht darf gemäß technischen Standards vom MTOM um bis zu drei Prozent abweichen.
  2. Die Drohne wurde vor 2024 auf den Markt gebracht und wiegt unter 250 Gramm. Bei diesen Bestandsgeräten kann das Fluggerät gewogen werden, um das Gewicht zu bestimmen.
Gut zu wissen: Im Gegensatz zu Mini-Drohnen gibt es für Spielzeugdrohnen recht klare Regelungen. Die entsprechenden Infos dazu findest du in diesem Artikel.

Um die Regeln für Mini-Drohnen unter 250-Gramm besser zu verstehen, möchte ich kurz ausholen und erst mal erklären, wie es überhaupt dazu kam.

Die Idee hinter der 250-Gramm-Regelung

Mit dem Aufkommen der Drohnen hatten immer mehr Regierungen Sicherheitsbedenken. So wurde die Gefahr gesehen, dass Drohnen abstürzen und z.B. Menschen dadurch verletzen könnten. Die Aufregung war entsprechend groß.

Weltweit wurden nach und nach Gesetze erlassen, die versuchten, mit den neu entstandenen Gefahren vernünftig umzugehen. Dabei wurde es in vielen Ländern Konsens, dass Drohnen um so ein größeres Risiko darstellen, je schwerer sie sind. Das ist auch logisch, da schwere Drohnen bei einem Absturz aus gleicher Höhe natürlich eine viel höhere kinetische Energie entwickeln und damit größere Schäden anrichten können.

Viele Länder haben sich also darauf verständigt, Drohnen mit einer Gesamtmasse unter 250 Gramm als geringes Risiko zu betrachten und dementsprechend die Anforderungen an diese Geräte gering zu halten. Früher hat man dann häufig von der 250-Gramm-Regel gesprochen.

In Europa berücksichtigt man mittlerweile auch andere technische Daten und fasst die Risikoeinstufung in den Drohnen-Klassen zusammen. Mini-Drohnen fallen demnach in die Klasse C0.

Gut zu wissen: Gerade bei der DJI Mini 5 Pro haben viele Kunden sich darüber beschwert, dass ihr Fluggerät schwerer ist als 250 Gramm. Das tatsächliche Abfluggewicht einer klassifizierten Drohne darf aber produktionsbedingt um bis zu drei Prozent abweichen. Niedergeschrieben ist das im technischen Standard ASD-STAN prEN 4709-001. Diese Toleranz wurde uns auf Nachfrage auch von der Euopäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bestätigt.

Der Irrglaube zu den Mini-Drohnen

Nun kam es, wie es kommen musste. Nachdem auch die Europäische Union sich auf eine 250 Gramm Grenze einigte, kam mit der DJI Mavic Mini die erste Drohne in dieser Gewichtsklasse mit einer vernünftigen Kamera auf dem Markt. Mittlerweile gibt es mehrere Nachfolgermodelle (z.B. die DJI Mini 5 Pro), die sowohl die Gewichtsgrenze einhalten als auch eine Klassifizierung nach europäischen Standards aufweisen.

Doch was Viele nicht wissen: Auch mit einer Mini-Drohne hat man keine „Narrenfreiheit“.

Eine Mini-Drohne berechtigt nicht dazu, seinen Flieger überall und ohne Genehmigung zu
betreiben!
Dennoch gibt es natürlich einige Erleichterungen, von denen man profitiert.

Vorteile einer Mini-Drohne

Der offensichtlichste Vorteil einer Mini-Drohne ist der, dass man bei seinen Ausflügen weniger Gepäck mit sich herumtragen muss. So findet die Drohne eher mal einen Platz im Rucksack oder der Reisetasche und wird häufiger mitgenommen. Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen.

Doch in diesem Beitrag soll es uns schwerpunktmäßig um die rechtlichen Aspekte gehen und da sehe ich vor allem diese drei Vorteile:

Vorteil 1: Überflug von unbeteiligten Personen

Der für mich wichtigste Vorteil liegt darin, dass ich mit einer Mini-Drohne unbeteiligte Personen überfliegen darf. Mit schweren Fluggeräten muss ich je nach Klasse bestimmte Abstände einhalten. Für die Mini-Drohnen entfällt diese Vorgabe, sodass ich sie sehr häufig einsetzen kann.

Vorteil 2: Weniger Qualifikation erforderlich

Viele sehen als weiteren Vorteil, dass man für Mini-Drohnen mit der C0-Klasse keinen Drohnenführerschein erwerben muss. Ich persönlich empfehle jedoch allen, zumindest den Komptenznachweis A1/A3 zu absolvieren. Auch Mini-Drohnen können eine Gefahr darstellen und da ist es ratsam, sich entsprechend fortzubilden. Rechtlich vorgeschrieben ist jedoch nur, dass man sich bei Mini-Drohnen mit dem Benutzerhandbuch vertraut macht.

Vorteil 3: Keine Fernidentifizierung nötig

Wenn du dich beim Luftfahrt Bundesamt als Drohnenbetreiber registrierst, erhältst du eine Identifikationsnummer. Diese Nummer muss bei größeren Drohnen in der Software eingetragen werden und wird im Flug rund um die Drohne ausgestrahlt. Interessierte Personen können dann mit einer geeigneten App sowohl die Position der Drohne als auch der steuernden Person herausfinden. Viele Drohnenpiloten fühlen sich damit aber unwohl. Mini-Drohnen nutzen keine Fernidentifikation.

Infografik: Die größten Mythen über Mini-Drohnen

Häufige Irrtümer über Mini-Drohnen

Leider kursieren viele falsche Annahmen über Mini-Drohnen. Deswegen möchten wir noch mit einigen Mythen aufräumen, die uns bei unserer Arbeit immer wieder begegnen.

  1. “Mit einer Mini-Drohne darf ich überall fliegen”: Leider falsch! Auch mit leichten Drohnen sind geografische UAS-Gebiete zu berücksichtigen. Eine gute Quelle für die Recherche ist unsere Drohnen-Karte für Deutschland.
  2. “Für eine Mini-Drohne brauche ich keine Versicherung:” Stimmt nicht. Für alle Drohnen, die unter freiem Himmel eingesetzt werden, gilt eine Versicherungspflicht. Wer das auf die leichte Schulter nimmt, riskiert bei einer Kontrolle sogar ein Bußgeld. Bei uns findest du ausführliche Informationen zur Drohnenversicherung.
  3. “Mit einer Drohne unter 250 Gramm muss ich mich nicht registrieren”: Auch das ist ein Irrtum. Sobald eine Kamera verbaut ist, muss eine Registrierung erfolgen.
  4. “Ich brauche keinen Führerschein für eine Mini-Drohne”: Richtig – in den meisten Fällen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Drohne freiwillig auf C1 umklassifiziert worden ist.

Freiwillige Umklassifizierung

Bei einigen Modellen wie der DJI Mini 4 Pro oder der DJI Mini 5 Pro ist es möglich, von einer C0- auf eine C1-Klassifizierung zu wechseln. Wer das macht, sollte sich über die Konsequenzen bewusst sein, denn ein zurückwechseln ist nicht möglich.

Vorteile eines Wechsels auf C1

  • C0 Drohnen können nicht höher als 120 Meter fliegen. Mit einer C1-Drohne lässt sich ein Limit auf mehr als 120 Meter einstellen. Ein Flug über 120 Meter über Grund bleibt dennoch verboten!
  • Mit einer C1-Drohne gilt eine höhere Gewichtsgrenze, sodass anderes Zubehör (z.B. Propellerschutz, leistungsfähigere Akkus) verwendet werden kann.

Nachteile eines Wechsels auf C1

  • Kleiner Drohnenführerschein (Komptenznachweis A1/A3) wird verpflichtend.
  • Fernidentifikation muss aktiviert werden.
  • Ein Überflug von Unbeteiligten Personen soll vermieden werden

Das Überfliegen von Menschenmengen ist in beiden Fällen verboten.

Unserer persönlichen Meinung nach lohnt sich ein Wechsel in C1 nur in seltenen Fällen.

Die 250-Gramm-Regel im Ausland

Unabhängig von Europa kaufen sich viele Piloten ihre Drohne auch für Auslandsreisen. Von daher ist es sinnvoll zu schauen, wie die Situation in anderen Ländern aussieht. Um dir einen Überblick zu verschaffen, schaue dir gern unsere internationale Gesetzessammlung an, in der wir zu über 140 Ländern die Vorschriften erklären.

Fazit

Mini-Drohnen machen den Einstieg in die Luftbildfotografie sehr einfach. Vor allem wenn du viel mit deiner fliegenden Kamera unterwegs sein möchtest, ist eine leichte und kompakte Drohne immer von Vorteil. Du darfst beim Betrieb nur nicht vergessen, dich ausgiebig zu informieren, welche Regeln zur Anwendung kommen. Einen allgemeinen Freifahrtschein gibt es für kleine Mini-Drohnen nicht.

Hast du noch Fragen zu leichten Mini-Drohnen? Schreibe uns unten gern einen Kommentar!

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Über den Autor

Francis Markert ist der Experte, wenn es um die private oder professionelle Drohnennutzung geht. Als erfahrener Drohnenpilot hilft er dir dabei, deine Drohne effizient und rechtssicher einzusetzen. Seit vielen Jahren widmet sich Francis der Ausbildung von Drohnenteams und Einzelpersonen, um deren Sicherheit im Umgang mit Drohnen zu gewährleisten. Er ist seit 2020 ein vom Luftfahrtbundesamt anerkannter Prüfer und darf neben praktischen und theoretischen Schulungen auch Prüfungen zu den großen Drohnenführerscheinen (Fernpilotenzeungis A2 und STS) abnehmen.

Mit seiner Ausbildungs- und Beratungstätigkeit unterstützt Francis professionelle Anwender in Unternehmen und Behörden genauso wie interessierte Einzelpersonen. Außerdem ist Francis Autor des erfolgreichen Buches „Drohnen: Die große Fotoschule“ und Mitbegründer von Drohnen-Camp Plus, dem Mitgliederbereich für die Drohnencommunity.

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